Was uns wichtig war: Ein Gebäude, das durch seine Gestalt und die Materialien stark mit dem Ort und der hiesigen Baukultur verbunden ist. Ein langgestreckter, horizontal gegliederter Baukörper mit Satteldach und Dachüberstand. Mit einem Holzdachstuhl auf Mauerwerk – gestalterisch neuinterpretiert mit Holztafelbau auf Leichtbeton.

 

Mit diesem Projekt haben wir an den Architektouren 2019 teilgenommen. Außerdem ist das Haus am Feldbach nominiert für die Shortlist des Wettbewerbs Häuser des Jahres 2021, ausgelobt vom Callwey Verlag zusammen mit dem Deutschen Architekturmuseum. Die Gewinner werden im September 2021 bekanntgegeben.

Haupt- und Nebengebäude bilden ein Ensemble. Das straßenbegleitende, dem Wohngebäude eindeutig untergeordnete Nebengebäude schirmt den besonnten Teil des Grundstückes von der öffentlichen Verkehrsfläche ab. Im nord-westlichen Bereich entsteht ein Vorplatz, der wiederum der öffentlichen Verkehrsfläche zugewandt ist und vielseitig genutzt werden kann wie für Holzspalten, Abendsonnenbank, Ratsch und Tratsch.

Trotz der 10 Meter langen und raumhohen Öffnung an der Terrasse wird durch die Situierung im Zusammenspiel mit dem Nebengebäude ungewünschten »Einblicken« entgegengewirkt.

Die Verbindung der Materialien – und die sich nach innen verjüngenden Leibungen wie man sie von Häusern im Engadin kennt: zusätzlicher Lichtgewinn und ästhetische Wirkung.

Die Verbindung der Materialien – und die sich nach innen verjüngenden Leibungen wie man sie von Häusern im Engadin kennt: zusätzlicher Lichtgewinn und ästhetische Wirkung.

Weniger ist mehr: Die Haustechnik ist auf das Notwendigste reduziert. Das Haustechnik-Konzept des Wohnhauses fußt mit Energieträgern aus Stückholz und solaren Erträgen komplett auf erneuerbaren Energien.

Ansicht des Gebäudes von der straßenabgewandten Seite mit der spannungsvollen »Ausklinkung« des Betons für das bodentiefe Fenster im Schlafzimmer.

Ein Kochherd, der mit Holz geschürt wird und einen Pufferspeicher belädt, ist das Kernstück der Warmwasserbereitung für Heizung und Brauchwasser. In Kombination mit den Solarkollektoren ist die Wärmeversorgung des Hauses CO2-neutral. Das ganze unterstützt mit viel Wärmeeintrag durch große Glasflächen im Süden.

Durch die großformatigen Öffnungen gelangt viel Licht und Sonne in den nach Süden orientierten Koch-, Ess- und Wohnbereich.

Neben ausgezeichneter Dämmeigenschaft verfügt Leichtbeton über eine hohe Speicherkapazität auf Grund der hohen Materialdichte. Im Winter wird die erzeugte Wärme im Inneren und die Wärme der Sonneneinstrahlung der tiefstehenden Sonne eingefangen und in den dicken Betonwänden gespeichert, die sie kontinuierlich wieder an den Raum abgeben. Im Sommer kühlen die massiven Wände in der Nacht ab und entziehen durch niedrige Oberflächen-Temperaturen tagsüber dem Innenraum die Wärme. Zusammen mit einer geringen Sonneneinstrahlung der hochstehenden Sonne im Süden wird so einer sommerlichen Überhitzung entgegengewirkt.

Sommer Sonne Kaktus

Die einläufige Treppe nach oben hat schon einen Fleckerlteppich bekommen: (Be)Wohnen sollte die Architektur nicht »stören«, sondern sie ermöglichen!

Die Gangsituation im Obergeschoss mit Blick in den von oben belichteten Treppenaufgang und auf das so ästhetische wie einfache und praktische Stauraum-Regal. Der (Leicht-)Beton und das massive Holz spielen mit ihren Wirkungen und Qualitäten. Klare Strukturen, deren Ziel aber nicht Geometrie ist, sondern Nutzbarkeit.

Die massiven Leichtbetonwände im Erdgeschoss geben einem das Gefühl von Schutz und Solidität. Die Offenporigkeit des Leichtbetons wirkt feuchteregulierend und erzeugt ein angenehmes Raumklima. Im Unterschied zum Erdgeschoss sind im Obergeschoss die Schlaf- und Kinderzimmer von massivem, unbehandelten Fichtenholz umgeben. Das Holz stammt aus heimischen Wäldern. Die feuchteregulierende Eigenschaft des Holzes zusammen mit einem diffusionsoffenen Wandaufbau sorgen für ein exzellentes Raumklima.

Der Blick ins Kinderzimmer – die Farbe verrät nicht, dass hier eins von den drei Töchterchen wohnt. Was aber sicher ist: es wird gerechnet.

Der Blick ins Kinderzimmer – die Farbe verrät nicht, dass hier eins von den drei Töchterchen wohnt. Was aber sicher ist: es wird gerechnet.

Ein fast nahtloser Übergang vom Innen zum Außen – Luft und Licht.

Durch eine präzise Setzung der Öffnungen werden raumspezifische Bezüge zum Außenraum hergestellt. Licht, Wetter, Tages- und Jahreszeiten werden in all ihren Nuancen im Innenraum spürbar und erlebbar. Leben mit der Natur, hurra!

Wandelbar: EG und OG können bei Bedarf getrennt und als zwei unabhängige Wohneinheiten ausgebildet genutzt werden. Im EG kann damit eine barrierefreie Wohnung realisiert werden. Im OG sind nur wenige Innenwände statisch erforderlich und geben Spielraum für ein geändertes Raumprogramm.


Unten ohne: Auf Grund einer Kosten-Nutzen-Abwägung haben wir uns gemeinsam mit den Bauherren bewusst gegen einen Keller entschieden. Der notwendige Stau- und Lagerraum ist in der Gebäudestruktur als raumhaltige Wand im Obergeschoss zwischen Kinderzimmer und Treppenraum ausgebildet.

 

 

Leistungsphasen 1 bis 8 – Fertigstellung 2018 – Fotos Sebastian Schels 2020